Der KDer Koloss von Rügenoloss von Rügen

Der Koloss von Rügen und einige abgebrochene Bohrer

Maro, Andalusien, 30.01.2020

Herrschaften, wie die Zeit vergeht…

Koloss renoviert
Koloss 1

Ich bin jetzt schon wieder 2 Monate in Spanien unterwegs, natürlich im warmen Süden. Aber auch hier haben wir einige Regentage gehabt, aber alles gut überstanden. Heute scheint die Sonne und ich habe wieder kurze Sachen an.

Da ich ja schon eine Menge über Südspanien im Reiseblog geschrieben habe und es vielleicht auch langsam langweilig wird, reiche ich heute den „Koloss von Rügen“  in Prora nach. 

Einige Rügen Kenner werden das Gebäude bestimmt kennen, aber diesen speziellen Namen nicht. Die meisten werden die Abkürzung „KdF“ kennen – Kraft durch Freude. Das ist ein 4,5 Kilometer langes Gebäude aus der Zeit des dritten Reiches. 

Einmal  herum wandern = knapp 2 Stunden

Koloss 2
Koloss 2

Aber die Bezeichnung „KdF“ ist eigentlich falsch. „Kraft durch Freude“ war im dritten Reich der Name der NS-Organisation, welche unter Anderem für die Erholung der Arbeiter zuständig war. Sie war auch der größte deutsche Reiseveranstalter dieser Zeit.

Der Koloss ist eines der wenigen fast fertig gestellten Monumentalgemälde aus dieser Zeit. Das Gebäude sollte als Erholungsstätte für die arbeitende Bevölkerung dienen. Eigentlich sind es 8 gleiche Gebäude, welche jeweils 550 Meter lang sind. Aber man spricht immer von einem, dem „Koloss“. Alle Blöcke haben 6 Etagen und die Zimmer messen 2,5 x 5 Meter, alle mit Meerblick. Der Koloss sollte Platz für 20.000 Erholungssuchende bieten.

Koloss 3
Koloss 3

Bis Kriegsbeginn 1939 war der Rohbau fertig, aber die Arbeiten daran wurden eingestellt. 1943 wurden die Arbeiten fortgesetzt, weil man Wohnraum und ein Lazarett brauchte. Die genauen Details zur Geschichte des Gebäudes könnt ihr über den Link oben nachlesen.

Ein Satz noch zur Geschichte, ist für später wichtig: Die Rote Armee versuchte 1945 Teile des Kolosses zu sprengen, konnte ihn aber nur schwer beschädigen.

Model vom Koloss
Model vom Koloss

Heute befinden sich in den sanierten Gebäudeteilen ein Hotel, Luxuswohnungen und im nördlichen Block die „längste Jugendherberge der Welt“.

Und jetzt mal wieder eine kleine lustige Geschichte im Reiseblog: Nachdem ich mir alles angesehen hatte, bin ich mit Lotte zum Strand direkt hinter dem Koloss, nur circa 100 Meter.

Es war ein wunderschöner Sommertag, der Strand war nicht voll, aber einige Sonnenhungrige waren da.

Strand am Koloss
Strand am Koloss

Lotte fing sofort mit der Randale an, wollte spielen und schwimmen. Ich setzte mich in den Sand. Einige Meter weiter lag ein Pärchen auf ihren Handtüchern. Lotte rannte in ihrem schizophrenen Spielwahn zu dem Pärchen und schmiss ihnen grell bellend ein Stück Treibholz hin. Am Rand muss ich bemerken, dass Lottes Bellen mir mittlerweile so in den Ohren weh tut, dass ich nur noch mit Gehörschutz mit ihr spiele. Wahrscheinlich werde ich auch einen schalldichten Indoor-Zwinger für sie bauen.

Der junge Mann stand auf und nahm Lottes Aufforderung an. Er schmiss den Stock… Ich ging hinüber und kam mit ihm ins Gespräch. Ich fragte dies und das und irgendwann, woher er sei. Er antwortete, er sei einer der ersten Mieter der Wohnungen im Koloss und hätte noch einen moderaten Mietzins. Ich fragte nach der Substanz des Gebäudes. Dann erzählte er, er habe einmal versucht, eine Wandlampe anzubringen, was ihn 3 Bohrer und 2 Stunden Arbeit gekostet habe. Der Beton sei so hart, dass man kaum hinein bohren könne.

Riesenlok
Riesenlok

Ich dachte mir: „Bei echtem „deutschen Beton“ darfst du natürlich auch keine China-Scheißbohrer nehmen, wenn schon die Russen das Haus nicht sprengen konnten.“ Natürlich weiß ich nicht, was er für Werkzeug benutzte. Aber der „Koloss“ ist doch echte deutsche Wertarbeit.

Mir ist in meinem Beitrag „Hartmannswillerkopf“ etwas ähnliches aufgefallen: Dort berichtete ich im Reiseblog über Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg. Die Schützengräben der Deutschen und der Franzosen lagen an einigen Stellen nur wenige Meter auseinander. Die, der Deutschen sind zum Teil noch voll erhalten. Von den französischen gibt es kaum noch Spuren.

Jetzt bitte nicht auf falsche Gedanken kommen: Ich bin kein Neonazi!!!

Schneeräumlok
Schneeräumlok

Nach der Gehör-Malträtierung durch Lotte, haben wir noch ein PKW- und Lok-Museum im Norden von Prora besucht. Das ist eigentlich nicht so meins, aber wenn ich schon mal da war. Ich habe auch davon einige Bilder eingestellt, da ich im Museum eine Lok gesehen habe, die aussieht wie aus einem Science Fiction und wirklich, wirklich groß ist.

Zum Abschluss noch das: Da ich ja jeden anquassele, der irgendwie meine Aufmerksamkeit fängt, sprach ich länger mit dem Kartenabreißer des Museums. Er ist übrigens Kassenwart, Reinigungskraft und Sicherheitsmann des Museums in Personalunion. Und außerdem ist er die einzige Arbeitskraft dort – lustig, oder?

Oldtimer Ford
Oldtimer Ford

Er war jedenfalls sehr nett und sagte er sei ein „Wessi“, aber wolle nie wieder zurück. Ihm gefalle es hier so gut. Außerdem hätte er einen guten Chef, der Besitzer des Museums. Dieser sei ein Unternehmer aus Paderborn, oder Gütersloh, ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls auch aus dem Westen.

Da sträubten sich mir als „Neokommunist“ mal wieder die Nackenhaare. Ich weiß, dass es Leute gibt, die so viel Geld haben, dass sie sich „AUßERDEM“ ein kleines Museum hinstellen, in dem Fahrzeuge im Wert von mehreren 10 Millionen Euro stehen. Ich kann es trotzdem nicht begreifen…

Danke an Angela nach Berlin, dass es jetzt noch viel mehr von diesen Reichen gibt. Aber dafür viel viel viel mehr von den Anderen.

Amen

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