
Heute ist der 31.12.2025. Die letzten lauten Tage während der vergangenen zehn Jahre habe ich immer einen ruhigen und abgeschiedenen Ort für Lotte und mich gesucht. Meistens waren wir mit dem Wohnmobil irgendwo in den Bergen an einem Ort, wo es kein Feuerwerk gab. Diese lauten Knaller müssen eine Katastrophe für die Tiere sein. Auch für Lotte mittlerweile. Sie reagiert sofort, wenn es knallt und bekommt Angst, will sich verkriechen. Früher war das anders, als sie noch jung war, machte ihr das nichts. Aber ich suche die Einsamkeit an Silvester auch für mich, ich bin kein Partymensch.
Meinen tollen Platz zum Verweilen mit dem Wohnmobil beschreibe und zeige ich am Ende des Artikels, der gehört in der Chronologie „Ätna“ an den Schluss.

Ich bin nun ein paar Tage auf Sizilien seit dem ersten Weihnachtstag und habe mich entschlossen von Messina die Insel im Uhrzeigersinn zu entdecken. Das erste Erlebnis war ein Besuch in der wunderschönen Stadt „Taormina“, nicht sehr weit südlich von Messina. Von dort konnte ich den qualmenden Krater des Ätna schon sehen. Dort entschloss ich mich, den Berg als nächstes Ziel zu besuchen. Über Taormina werde ich natürlich auch schreiben und es umgehend nachreichen.

Ich habe an dem Parkplatz in Taormina ein deutsches Pärchen getroffen. Wir haben uns kurz ein wenig ausgetauscht. Ich sagte, ich wolle in den kommenden Tagen zum Ätna hochfahren. Sie antworteten, dass höchste Alarmstufe für einen Ausbruch besteht und es sein könne, dass die Straßen hinauf schon gesperrt waren. Ich war gewarnt! Ein Bekannter schrieb mich am gleichen Tag an, und fragte, ob es um den Ätna herum gefährlich sei mit der hohen Warnstufe. Jetzt war ich doppelt gewarnt und statt Lava floss Angst in das Tal hinab und breitete sich aus.
Vorgestern bin ich dann den Berg hinauf gefahren und fand einen guten Ort zum Übernachten etwas abseits der Straße.

Es war kalt hier oben auf knapp 2000 Meter Höhe. Und in der Dämmerung sah ich immer wieder, wie der Berg glühende Lava ausspuckte und qualmte. Aber von Evakuierung keine Spur. Um mich herum standen einige andere Camper und auf der Straße fuhren Autos bis weit in die Dunkelheit in das Tal hinunter.

Ich stand da in der dunklen Einsamkeit und beobachtete den Lava speienden Vulkan. Und just musste ich an die wahnsinnige, andauernde Erziehungsbeschallung im gefallenen Riesen Germania, mit CO2 hier und Erderwärmung da etcetera, etcetera denken. Was für eine Umweltkatastrophe, dieser CO2 Ausstoß durch den Vulkan hier in Italien. Aber wenn es nach den Heute-Nachrichten mit dieser merkwürdigen Jana Pareigis (erkennbar an breitem Mund mit Dauergrinsen, dunkler Teint und natürlich ausländisch klingendem Namen) gegangen wäre, hätte bestimmt „Putin“ bei den Vulkanausbrüchen seine Hände mit im Spiel, um Europa weiter zu destabilisieren. Aber vielleicht war ja auch „Trump“ oder vielleicht doch die „AFD“ dafür verantwortlich? Egal, einer von den Dreien trug auf jeden Fall die Schuld.

Ich bin etwas abgeglitten, aber das kam mir tatsächlich dort in den Sinn. Ich verbrachte eine kalte, aber angenehm ruhige Nacht und brach nach Frühstück und Gassigehen auf Richtung Gipfel. Es waren nur einige Kilometer zu fahren und ich kam schnell zum obersten Parkplatz. Hier war eine Bergstation mit allem Pipapo errichtet worden. Mehrere Restaurants, Nippesläden und zwei Seilbahnen, hinauf Richtung Gipfel. Und ihr werdet es nicht glauben: Trotz der hohen Warnstufe war das wahrscheinlich einer der belebtesten Orte Siziliens, beinahe wie der Flughafen Palma de Mallorca zur Ferienzeit. Es war gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden.

Der Bergstation lag auf circa 2000 Meter Höhe. Zum Krater selbst geht es nochmal 1400 Meter höher. Um den aktiven Hauptkrater befinden sich zahlreiche erkaltete Nebenkrater. Zwischen den beiden „Silvestri Kratern“ verlief die Straße mit den Parkplätzen. Ich fand einen Parkplatz und machte mich mit warmer Jacke und Rucksack wander fertig. Es war kalt, um die null Grad und ich wollte mich etwas warm laufen. Nur ein paar Meter vom Wohnmobil war der Anfang des Weges zu einem der Silvestri Krater hinauf – steil, bestimmt 200 Höhenmeter. Ich ließ Lotte von der Leine und wollte losmarschieren, den von schwarzer Asche bedeckten Weg hinauf.

Aber so einfach war das nicht: Da zeigte mir mal wieder ein durchtriebener Belzebub , wie man aus „Scheiße“, in dem Fall Asche, Geld macht. Eine junge Frau verwehrte mir den Zugang und sprach direkt in gebrochenem Englisch, ich solle eine Eintrittskarte lösen, die Wanderung koste Geld. Als Antwort verzog ich nur das Gesicht und ging zu dem Pommeswagen, der die Tickets verkaufte. Eigentlich eine Unverschämtheit, Geld zu kassieren für null Leistung, denn Gehen musste ich allein.

Ich habe mal einen Artikel über den „Caminito del Rey“ geschrieben – einer der schönsten Wanderwege Spaniens. Der kostete auch Eintritt. Jedoch war der Wanderweg mit viel Geld aufbereitet worden (umfangreiche Sicherungsmaßnahmen) und eine Rückfahrt war auch im Preis enthalten. Aber hier? Nichts… Und die Leute standen Schlange für ein € 5,- – Ticket für Nichts. Vielleicht habe ich den ein oder Anderen auf eine Idee gebracht, an der ich natürlich beteiligt werden will: Man kaufe sich einen abgehalfterten Pommeswagen, einen Abreissblock und etwas Flatterband. Und dann sperre man mit dem Flatterband eine x-beliebige Straße irgendwo, aber am besten eine belebte Straße. Und wer nun durch möchte hat € 5,- zu zahlen. Wahrscheinlich ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell…

Ich aber, hatte Wut im Bauch und war nicht bereit, an solche Lumpen Geld zu bezahlen. Ich zahle gern für etwas, das einen Wert hat, ein gutes Essen oder eine wirklich gute Flasche Wein. Aber nicht für so etwas, noch nicht mal einen Euro. Ich kehrte um und ging in Richtung Seilbahnstation. Dort angekommen sah ich auf der Preistafel, dass eine einfache Fahrt € 50,- kostete und mit Führer und Fahrzeug nach ganz oben nochmal € 30,- mehr. Also keine Seilbahnfahrt und kein Gipfelerlebnis. Aber unterhalb der Seilbahn gingen die Wanderwege durch die Lavafelder los. Ich machte mich auf und ging ein ganzes Stück den Berg hinauf. Auf dem Schnee konnte man frische feine Asche sehen, die der immer aktive Berg ausgespuckt hatte.

Es war ein schönes Erlebnis, dort zu wandern. Lotte fand es auch gut und lief eifrig mit. Ein Stück weiter oben schwenkte ich nach rechts und wanderte hinüber zu dem „verbotenen Krater“ und das „ohne Ticket“ – böser Hub. Ich stieg auf den wirklich steilen Grat hinauf und musste Lotte zum Teil tragen, da sie es auf einmal mit der Angst zu tun bekommen hatte. Weshalb auch immer… Oben machte ein netter Italiener ein Foto von uns beiden und ich hatte einen herrlichen Ausblick auf den unten liegenden zweiten „verbotenen Krater“. Wir stiegen nach 1,1/2 Stunden Wandern hinab zum Wohnmobil.

Nun suchte ich einen Platz zum Übernachten, denn hier oben war es mir zu turbulent und auch zu kalt. Ich wollte wieder in das Tal, wo es deutlich wärmer war. Da fand ich diesen Ort in „Park4Night“:

Der Platz war abgelegen, ruhig und hatte eine Wasserstelle, besser geht es nicht. Der Ort liegt am oberen Ortsrand der Stadt „Zafferana Etnea“. Am oberen Ende des Parkplatzes steht eine Madonnenstatue. Und was gibt es Interessantes über diesen Ort zu berichten: Natürlich…: Das Göttliche hat seine Hände mit im Spiel: Wenn ihr euch den Kartenausschnitt genauer anseht, sieht man in der oberen Hälfte einen schwarzen Fluss.

Und es trug sich Folgendes zu: Ende des Jahres 1991 brach der Ätna wieder einmal gewaltig aus. Wie gesagt, die Ausbrüche sind immer an anderen Orten am Gipfel. Diesmal brach er westlich aus und ein Lavastrom ergoss sich westlich durch das „Valle de Bove“ in Richtung der Stadt Zafferena Etnea“.

Im Laufe der Monate kam die Lava immer näher und der Ort musste evakuiert werden. Wie durch ein Wunder stoppte der Lavafluss nur wenige Meter oberhalb der Madonnenstatue im Jahr 1992 und erkaltete. Dieses Wunder schrieb man der göttlichen Kraft der Madonna zu, die ab jetzt die „göttliche Bezwingerin der Lava“ war. Naja, wenn ich mich richtig erinnere, war „Putin“ damals noch nicht im Amt. Wenn er es gewesen wäre, wer weiß, was sonst noch passiert wäre…

Zum Schluss noch etwas zum Ätna: Der Vulkan ist seit Menschen Gedenken aktiv und es kommt während den Jahrhunderten immer wieder zu schweren Ausbrüchen und Zerstörungen. Die südlich liegende Hafenstadt „Catania“ hat es mehrmals getroffen. Dort gibt es auch eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit aus dem 13.ten Jahrhundert: Das „Castello Ursino„. Es war ursprünglich von Wasser umgeben, bis zu einem Vulkanausbruch im Mittelalter. Die Lava ergoss sich südlich nach Catania bis ins Meer und umspülte das Kastell, ohne es zu zerstören. Von da an lag es 300 Meter landeinwärts. Genaueres über den Ätna und seine Ausbrüche kann man bei Wikipedia nachlesen.
Und nun wünsche ich allen Lesern… Ach was, ich wünsche gar nichts.