Moldawien

Ich will heute ein wenig über Moldawien berichten und ein bittersüßes Wiedersehen nach 25 Jahren.Viele Bilder gibt es heute nicht, aber vielleicht eine schöne Geschichte.

Vielleicht gibt es auch etwas Neues von der „nigerianischen Scheißhausexpertin Annalena“ und ihrer guten Freundin Ricarda mit dem sagenhaften Bodymassindex von 45.

Aber zunächst zurück zum Wiedersehen nach 25 Jahren. Ich arbeitete als Blauhelm im Jahr 1998 ein knappes Jahr für die Vereinten Nationen im ehemaligen Kriegsgebiet in Bosnien-Herzegowina. Nach einigen Wochen lernte ich eine Moldawierin kennen. Wir verbrachten viel Zeit miteinander und irgend wann wohnte sie bei mir. Sie war ein warmherziger Mensch mit sehr guten Manieren.

Es folgte eine Frage aus dem virtuellen Klassenzimmer: „Was sind Manntieren?“

„Annalena: Das ist etwas, das du nicht mehr lernst wegen deiner Verblödung. Ricarda, erklär bitte Annalena, was Manieren sind.“

„Es geht gerade schlecht, ich hab einen Negerkuss im Mund.“ Annalena drehte sich zu Ricarda um und sagte: „Du bist doof, so redet man nicht über „Zigneuter“.

„Oh, Annalena, du bist ja richtig woke!“

„Wieso bin ich ein Wok?“ sagte sie. Die Klasse bog sich vor Lachen…

Reiseblog - Moldau - Nuppa nach der Arbeit
Reiseblog – Moldau – Nuppa nach der Arbeit

Zurück zum Reiseblog, mit einem Foto von Lotte vor der Dusche. Zum Ende meiner Zeit in Bosnien gab es dann ein trauriges Ende. Unsere Wege trennten sich. Sie ging zurück nach Moldawien und ich nach Deutschland. Der Kontakt war schwierig. Wir telefonierten noch einige Male und dann brach der Kontakt ganz ab. Damals war das alles nicht so einfach, zu telefonieren hinter den „ehemaligen eisernen Vorhang“ oder Reisepapiere zu bekommen.

Und jetzt zum Anfang der Geschichte: Sie hieß Natalia und war aus dem Norden Moldawiens, wo die russischen Moldawier leben. Sie ging mir die ganzen Jahre nicht aus dem Kopf, weil sie im Nachhinein gesehen, meine angenehmste Freundin war.

Aber in den letzten drei Jahren spukte sie noch viel mehr in meinem Kopf herum. Ich versuchte vergeblich etwas über sie in Erfahrung zu bringen, mit Hilfe zweier Freunde, einem russischen Kollegen und einem aus der Ukraine. Beide gaben nach Monaten der Recherche auf.

Und dann lernte ich in Rumänien den deutschen Unternehmer Jürgen kennen, über welchen ich schon in diesem Artikel berichtete. Ich fragte Jürgen, ob er Kontakte nach Moldawien hätte und erklärte ihm, nach wem ich suchte. Er sagte, ich solle ihm alle Informationen geben, die ich hätte. Naja, das war nicht viel: Vor- und Familienname und das Geburtsjahr. Ok, ich gab ihm die die Infos.

Man glaubt es kaum: Da versuchen meine beiden Freunde aus Russland und der Ukraine ohne Erfolg monatelang etwas in Erfahrung zu bringen und Jürgen brauchte zwei Tage. Er hatte sie gefunden.

Sie lebte schon seit geraumer Zeit in der Nähe von Moskau. Wir nahmen Kontakt auf. Das alles war vor fast genau einem Jahr.

Reiseblog - Moldau - ortodosche Kapelle
Reiseblog – Moldau – ortodosche Kapelle

Wegen der besonderen Lage in der Ukraine, war es für sie nicht einfach nach Moldawien zu kommen. Aber jetzt hatte sie einen Shuttlebus gefunden, welcher durch das Baltikum, Polen, Ungarn und Rumänien nach Moldawien fuhr. Ich war schon bis Ungarn gekommen und wartete im Norden des Landes auf sie. In der Nacht bevor sie eintraf, habe ich vor lauter Aufregung kaum geschlafen. Der Treffpunkt war in der kleinen Stadt Kisvarda um 06:00 Uhr morgens.

Ich kam auf den Parkplatz gefahren und sah sie dort stehen. Was für ein komisches Gefühl nach 25 Jahren… Ich nahm sie kurz in den Arm, packte ihren Koffer und fuhr einige Minuten bis zu meinem Schlafplatz, wo ich die letzte Nacht verbracht hatte. Es gab Kaffee und dann tasteten wir uns erstmal verbal etwas ab. Das alles war genau vor einer Woche.

Und jetzt ging die Reise los, ich war gespannt auf Moldawien. Wir fuhren Richtung Osten und kamen nach kurzer Zeit an den ungarisch – rumänischen Grenzübergang, der streng bewacht war und wo konrolliert wurde. Die Grenzer waren, wie immer unfreundlich und arrogant. Aber getoppt wurde das an der nächsten Grenze nach Moldawien. Nach einer Stunde Wartezeit ging es dann weiter ganz in der Nähe der Südgrenze der Ukraine.

Reiseblog - Rumänien - Fischrestaurant
Reiseblog – Rumänien – Fischrestaurant

Wir übernachteten irgendwo am Waldrand im wunderschönen Norden Rumäniens. Am nächsten Tag gab es kein Frühstück, weil ich in den Bergen Rumäniens eine köstliche Forelle zu Mittag essen wollte, was wir auch taten.

Nach einem weiteren Tag erreichten wir einen sehr kleinen Grenzübergang von Rumänien nach Moldawien. Wir waren das einzige Fahrzeug vor Ort. Aus einem Containerhäusschen kam eine vielleicht 40 Jahre alte Grenzpolizistin heraus. Sie war stark geschminkt, hatte rot lackierte Fingernägel, die man als Schaufeln bei einem kleinen Bagger hätte benutzen können. Sie hielt sich bestimmt für ausgesprochen attraktiv mit ihrem fetten Ricarda-Hintern in ihrer viel zu engen Uniformhose. Ich legte meine Hand dafür ins Feuer, dass es Ärger gab. Und es kam, wie es kommen musste:

Beim langsamen Herantasten an die Haltelinie unterhielt sie sich mit einer Kollegin und hielt uns die grüne Seite ihrer Polizeikelle entgegen. Ich fuhr sehr langsam also weiter. Dann hämmerte sie zweimal gegen das Wohnmobil. Ich setzte zurück und hielt vor ihr. Ich sagte durch das offen Fenster, sie habe „Grün“ gezeigt, was auf der ganzen Welt „weiterfahren“ bedeutet. Sie antwortete frech, „Grün“ bedeute hier „Rot“. Die Kontrolle dauerte natürlich etwas länger und sie stellte schwachsinnige Fragen, wie zum Beispiel: „Haben sie Drogen dabei?“

Gibt es überhaupt einen Vollidioten der Drogen schmuggelt und dann auf so eine Frage mit „Ja“ antworten würde? Naja, wieso fällt mir jetzt gerade der Name Annalena ein?

Reiseblog - Moldau - Damm zwischen Moldau und Rumänien
Reiseblog – Moldau – Damm zwischen Moldau und Rumänien

Nach einer knappen halben Stunde konnten wir fahren und dann nochmal das gleiche Procedere auf der moldawischen Seite. Auch dort wurden wir von Frauen kontrolliert, die sich ausgesprochen arrogant und unfreundlich benahmen. Meistens sind Frauen noch unfreundlicher als Männer. Aber auch das hatte nach 45 Minuten ein Ende.

Endlich waren wir in Moldawien in der Heimat Natalias.

Reiseblog - Moldau - Durchschnittsgeschwindigkeit
Reiseblog – Moldau – Durchschnittsgeschwindigkeit

Wir mussten nicht mehr soweit fahren. Es ging nur noch bis in das Städtchen Edinet im Norden Moldawiens. Aber zuvor tankte ich das Auto für unter einem Euro/Liter und bezahlte mit Kreditkarte. Ich hatte vorher ein wenig über Moldawien gelesen, über Telefonie, Kreditkarten und ein paar andere Sachen. Über Kreditkarten laß ich, die seien nicht sehr weit verbreitet, man solle Bargeld, moldawische LEU tauschen. Und auch in Moldawien: In jeder Tankstelle, die ich besuchte war Kartenzahlung möglich, auch im Restaurant, wo wir abends aßen.

Aber jetzt mussten wir erstmal nach Edinet. Ich konnte nicht schneller als 50 km/h fahren, da die meisten Straßen in Moldawien wirklich in einem erbärmlichen Zustand sind. Was Moldawien heute ist, vermutlich das  ärmste Land Europas, ist bald Deutschland nach der grün-roten Ära.

Reiseblog - Moldau - meist schlechte Straßen
Reiseblog – Moldau – meist schlechte Straßen

Aber hier fahren die Menschen auch dicke Karren, meist SUVs BMW oder Volvo. Und die hämmern dann mit 90 km/h über diese Straßen und müssen alle 3000 Kilometer vermutlich die Stoßdämpfer wechseln.

Natalia hatte drei Gründe für diese Reise. Sie wollte mich treffen, ihren Pass erneuern und das Grab ihrer Eltern besuchen. Wir übernachteten an einem Hotel mit Womo-Stellplatz und fuhren am nächsten Morgen in das kleine Dorf, wenige Kilometer südlich von Edinet, wo sie aufgewachsen war. Am Friedhof angekommen musste sie erstmal nach dem Grab suchen, welches sie nach einigen Minuten völlig verwildert fand. Sie hatte Gartenhandschuhe dabei und fing an, das Grab mit den Händen vom Gestrüpp zu säubern. Ich half ihr und nach zwei Stunden Arbeit war es einigermaßen hergerichtet. Die Grabsteine waren schon völlig verwittert, aber die Namen noch lesbar.

Jetzt vollzog sie ein Ritual und legte Geschenke auf das Grab. Für ihren Vater einen Becher Schnaps und für ihre Mutter ein paar Kekse. Dann zündete sie noch zwei Kerzen an. Wieder so ein traurig-schöner Moment, der lange in meinem Gedächtnis bleiben würde. Sie hatte mir vorher erzählt, eine schöne Kindheit gehabt zu haben und habe ihre Eltern sehr geliebt. Seit 20 Jahren sei sie nicht hier gewesen und das wäre wahrscheinlich auch das letzte Mal in diesem Leben. Es war ein bewegender Moment.

Reiseblog - Moldau - Landschaft
Reiseblog – Moldau – Landschaft

Danach machten wir uns auf zu einem Schlafplatz an einem Kletterfelsen. Dieser Felsen ist in ganz Moldawien bei Kletterern bekannt. Eine Gruppe Jugendlicher kletterte in Begleitung von Erwachsenen. Lotte brach das Eis, weil alle den Dackel lustig fanden und mit ihr spielen wollten. Ein Erwachsener sprach mich auf Englisch an, woher ich sei. Antwort: „Ein kleines Rätsel: Mein Land hat die schlechteste Fußball-Nationalmannschaft der Welt.“ Wie aus der Pistole: „Germany“.

Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über Gott und die Welt. Er sagte, er sei Norweger und lebte seit 13 Jahren in Moldawien, in der Hauptstadt Chisinau. Man könne hier noch gut leben in Frieden und Ruhe, ohne GenderIKHZTRDF oder wie das heißt und zu Zigeunern Zigeuner sagen.

Zu Deutschland sagte er, dass es wohl in den nächsten paar Jahren zerstört werden würde. Das aus dem Munde eines Norwegers, der in Moldaiwen lebt, hört, hört! Und die meisten Bürger in Deutschland wollen es immer noch nicht wahrhaben, dass sie gerade mit Absicht demontiert werden.

Wir verbrachten die Nacht dort. Am nächsten Morgen sagte Natalia, sie würde keine neuen Papiere bekommen und würde am Montag den Bus nach Hause nach Moskau nehmen. Ich bat sie, noch ein paar Tage zu bleiben. Aber sie antwortete, sie habe Heimweh.

Reiseblog - Moldau - Brunnen
Reiseblog – Moldau – Brunnen

Die Ortschaften in Moldawien unterscheiden sich kaum von anderen in Osteuropa. Was jedoch auffällt ist, dass vielerorts noch richtige Brunnen stehen, wo die Menschen ihr Wasser holen. Scheinbar sind viele Haushalte noch nicht an die Wasserversorgung angeschlossen.

Und jetzt noch was zu den diesen unsinnigen bewussten Falschmeldungen aus der Presse, Putin wolle alles anektieren und sein Zarenreich wieder aufbauen. Das ist alles dreckig gelogen, um die Massen antirussisch zu manipulieren. Der Norden Moldawiens oder korrekter Weise, der Norden der Republik Moldau ist russisch.

Die meisten Menschen hier würden sehr gern von Russland aufgenommen werden. Putin hat aber kein Interesse daran, wie auch nicht an den baltischen Staaten, die ja zur Zeit vor Angst vor dem „bösen Russen“ sich bis an die Zähne bewaffnen. Seit dem die Krim von Russland besetzt wurde, geht es dort wirtschaftlich wieder aufwärts, berichten meine Freunde von dort.

Um dem Beitritt Moldawiens zu Russland entgegen zu wirken, hat die EU in 2022 Moldawien zum Beitrittskandidaten gemacht.

Aber ok, es ist, wie es ist. Jetzt wird es nochmal ein wenig traurig: Ich entschied mich, am Sonntag nach Rumänien zurück zu fahren. Jetzt konnte ich Natalia hier nicht einfach so sitzen lassen. Ihr Bus ging ja ein Tag später. Also quatierte ich sie in dem Hotel ein, wo wir schon zu Abend gegessen hatten. Ein kleines, aber sauberes und komfortables Zimmer nach westlichem Standard. Es kostete umgerechnet € 30,-. Ich trug ihren Koffer in ihr Zimmer drückte sie noch einmal ganz fest.

Dann begleitete sie mich zum Auto und wartete, bis ich weg war. Ein letzter Kuss und dann sah ich beim Wegfahren durch die Seitenscheibe, wie sie da einsam stand und mir noch einen Kuss zuwarf. Meine Augen wurden feucht…

4 Gedanken zu „Moldawien“

  1. Deine Erzählung ist etwas aus der Zeit gefallen. Klingt nach 1933. Aber gegen Aluhüte ist noch kei Kraut gewachsen. Ich hätte mir bei dem Bericht etwas mehr über Land und Leute gewünscht und kein politisches Statement.

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